Kunst als Institutionskritik
Einleitung
Da ich der Meinung bin, dass der Themenkreis Künstler (Kunst) und Kritik an der Institution Museum enge Beziehungen zu der Geschichte und Funktion der Museen hat, habe ich zunächst versucht, die Geschichte, Funktion und deren Zusammenhänge mit der Geschichte der Kunst mit dieser Institution darzustellen. Die Moderne (seit dem Beginn des 20.Jhd.) brachte such eine Kritik an Macht und Ökonomie seitens der Künstler hervor. Die einsetzende Welle der Kritik in den 60er Jahren de 20. Jhd. ging konform mit gesellschaftlichen Infragestellungen auf vielen Gebieten des Zusammenlebens. Radikale Forderungen waren u.a. die Abschaffung der Museen, andere Forderungen zielten auf eine Demokratisierung. Die Forderungen nach Einbeziehung in gesellschaftliche Entwicklungen, Nutzung von neuen Merketing- und Wettbewerbsbegriffen, Sponsoring, bauliche Neuentwicklung in Museumsbau einschließlich Standortüberlegungen, Einbeziehung in die Idee von „Events“ mit der Annäherung an die Unterhaltungsindustrie und auch die Einbeziehung neuer Medien fanden Gehör. Sie führten zu einem Boom und führten trotz teilweise sehr erhöhten Eintrittspreisen viele Besucher zu. Neue Anhängigkeitsverhältnisse und Einflussnahmen werden jedoch nicht von den „Kunstproduzenten“ kritiklos hingenommen. Die Kritik ist jedoch sachlicher geworden und sucht auch Möglichkeiten von Koexistenz und mitgestaltender Zusammenarbeit. Aus den vielen Beispielen der benutzten Literatur habe ich (natürlich subjektiv) 12 Beispiele ausgemacht und beschrieben. Die Beiträge rechtfertigen m. E. das Museum heute als „Arena“ zu bezeichnen. Das könnte dann auch ein Forum für neue Entwicklungen (die sich immer wieder herausbilden) sein.
Zur Geschichte der Museen
Das
Wort Museum hat seinen Ursprung in dem lateinischen Wort Museum als lateinische
Übersetzung des griechischen Wortes Museion, das bedeutet Tempel der Musen.
Die Musen waren die Töchter des Zeus und der Mnemosyne. Sie waren Göttinnen
der Künste und der Wissenschaften.
Das Museum als öffentliche Einrichtung hat antike Tradition. Die Könige
von Pergamon etablierten große Kunstsammlungen in Gebäuden. Im 3.
Jhd. v. Chr. wurde ein Museion in Alexandria eröffnet.
Das neuzeitliche Kunstsammeln hatte seine Anfänge im Italien der Frührenaissance.
Lorenzo de Medici (1469-92) schuf in Florenz einen Statuengarten. Dies führte
zu der Gründung der vatikanischen Skulpturensammlungen von Papst Julius
II. (1503-13). Zeitgleich fand die Einrichtung von Kunst- und Wunderkammern
an dt. Fürstenhöfen statt. Zum einem durch die sächsischen Kurfürsten
aber auch durch reiche bürgerliche Personen. Dies führte zu einer
Entwicklung von Spezialsammlungen wie z.B. das Antiquarium in München.
Ein Sammlungssystem etablierte sich im 17.und 18. Jhd.. Sammlungsräume
waren oft Bestandteil im Bauprogramm der Residenzschlösser. Diese waren
jedoch nur einem bestimmten meist höfischem Besucherkreis zugänglich.
Im Zuge des Ausbaues der Sammlungen entwickelte sich das Museum zur öffentlichen
Einrichtung. 1753 wurde das britische Museum durch Parlamentsbeschluß
gegründet. 1739 gingen die Sammlungen der Medici in Florenz in toskanischen
Staatsbesitz über.
Im
Zuge der französischen Revolution wurden große Museen programmatisch
der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Museé Francaise
im Louvre ist ein Ergebnis dieser
Entwicklung. Die Museen wurden in die staatliche Organisation eingegliedert.
Es etablierte sich ein Verwaltungsapparat. Seine Aufgaben waren Auswahl- und
Restaurationsprinzipien. Aufstellungs- und Hängungsprinzipien wurden im
Kontext mit geschichtlich-didaktischen Erfordernissen gesehen.
Die Säkularisation machte erhebliche Mengen von Kunstgegenständen
verfügbar.
Zu dieser Zeit entstanden auch erste autonome Museumsbauten wie z.B. die Glyptothek
in München (1816-1830) und das Alte Museum in Berlin (1822-1830).
Im 20. Jhd. erfolgten eine starke Politisierung des Museumswesens z.B. durch
die Revolution in Russland und die Nazidiktatur in Deutschland.
Ein Neubeginn nach dem 2. Weltkrieg wird dokumentiert durch zahlreiche Neubauten
wie z.B. die Neue Nationalgalerie Berlin, Centre Pompidou Paris.
Zur Funktion der Museen
Museen
nach heutigem Verständis gab es in der Antike nicht. Z.B. die Heiligtümer
in Griechenland: Die Präsenz der Kunstwerke war funktionsgebunden. Sie
hatten eine sakrale und politische Bedeutung.
Die Künstler waren als Handwerker betrachtet. Sie waren im Besitz von Fertigkeiten.
Es gab keine Künstler im heutigen Sinne sondern nur Auftragskünstler.
Sie wurden von öffentlichen Institutionen beauftragt. So waren Künstler
oft „Unfreie“.
Es gab Ansammlungen von Kunstwerken in Kulträumen wie Tempeln, Kirchenräumen
und Grabstätten aufgrund des magischen oder symbolischen Gehaltes. Später
wurden auch fürstliche Sammlungen angelegt.
Im 18. Jhd. waren Museen öffentliche Sammlungen und deren Gebäude.
Anfang des 19. Jhd. war die Zeit der Präsenz der sog. Hohen Kunst, d.h.
Kunst des klassischen Altertums, Spätgotik und Renaissance. Im 19. Jhd.
fand eine Ordnung der Bestände in einem repräsentativen Bauwerk statt.
Dies wurde begleitet von einer Hinwendung zu den Institutionen der Wissenschaft.
Die Galerie
Ursprünglich
war die Galerie die „Vorhalle einer Kirche“. Im Schlossbau des 17.
und 18.
Jhd. war der Festsaal die Galerie. Die Helligkeit wurde durch große Fensterfronten
geschaffen. Dies animierte dazu Kunstwerke zu zeigen. Das Wort Galerie wurde
später als allgemeine Bezeichnung für den Ort der Präsentation
von Kunstwerken verwandt.
Der Salon
Salon bedeutet im ursprünglichen Sinn Besuchsraum. Seit 1667 wurde der Salon als Ort regelmäßiger Präsentation des höfischen Kunstgeschmacks angeordnet. Durch die im 18. Jhd. aufkommende Kunstkritik wurden die Salons der Ort von Auseinandersetzungen über dargestellte Kunstwerke. Zunächst wurden nur von den Akademien zugelassene Künstler, seit der französischen Revolution aber auch andere Künstler zugelassen. Später gab es auch Einzelausstellungen. Unter Napoleon III. (1852-1870) erhielten auch vorher abgewiesene Künstler wie Manet 1863 Zugang zu den Salons. 1884 schlossen sich die Unabhängigen Künstler zu einem eigenen Salon zusammen. Als Folge findet seit 1949 jährlich in Paris der „Salon der jungen Malerei“ statt.
Kunstvereine
Die Kunstvereine hatten ihre Entstehung Anfang des 19. Jhd.. Sie waren mit dem aufstehenden Bürgertum entstanden als Zusammenschluß von Personen zur Förderung der meist zeitgenössischen Kunst, vorwiegend auf regionaler Basis. Sie waren an die Öffentlichkeit gewandt, durchaus als Konkurrenz zu den Museen und der Galerie gedacht.
Kunsthandel
Der
Kunsthandel hat seinen Ursprung in den Verkaufsständen mit künstlerischen
Gebrauchsgegenständen im alten Orient, Griechenland und Rom.
Im Spätmittelalter brach die Verbindung zwischen Auftraggeber (Käufer)
und Künstler ab. Die Künstler arbeiteten von nun an ohne festen Auftrag.
Daraus entstand die Notwendigkeit der gewerbsmäßigen Vermittlung
zwischen Künstler und Käufer (Sammler).
Im 15.-17. Jhd. fanden Verkaufsausstellungen z.B. in Deutschland und den Niederlanden
statt. Im 15. Jhd. gab es in Italien sachkundige Kunsthändler, Antiquarius
genannt. Im 17. Jhd. fand der Kunsthandel in den Niederlanden seine Bedeutung.
Es wurde dort die öffentliche Versteigerung und Verlosung eingeführt.
Auch ein Strassen- und Hausierverkauf entwickelte sich. Dies wurde von den Künstlern
bekämpft. Dieser Kunsthandel war umfassend und überregional.
Ende des 17. und Anfang des 18. Jhd. wurde Paris das Zentrum des Kunsthandels.
Unterstützt durch neue kunstgeschichtliche Erkenntnisse (18.Jhd.) erweiterte
sich der Kunsthandel im Laufe des 19. Jhd.. Eine Spezialisierung der Kunsthändler
fand mit Unterstützung durch die Kunstwissenschaft statt. Neue Gebiete
erfasste der Kunsthandel in der zweiten Hälfte des 19. Jhd. mit dem Kunsthandwerk
und historischen Originalen besonders in der Zeit des Historismus.
Seit dem Beginn des 20. Jhd. sind Paris, London, Berlin und New York Zentren
des Handels mit alter Kunst. Mitte des 20. Jhd. verbreitete sich der Handel
mit Antiquitäten mit dem Schwerpunkt auf den dekorativen Wert. Auch Nachahmungen
fanden ihre Käufer. Der Handel mit zeitgenössischer Kunst wird durch
Versteigerer und Kunsthändler bestritten, der die Kunstwerke auswählt
und so die Künstler in der Öffentlichkeit fördert.
Zusätzlich gibt es seit ca. 1940 auch Kunstmessen auf denen hauptsächlich
freie Kunsthändler vertreten sind. Diese Kunstmessen sind auch als Alternative
zu den Auktionen zu sehen.
Kunstkritik
Die
Entwicklung der Kunstkritik als beschreibende und analysierende Betrachtung
von Kunstwerken in der Öffentlichkeit hat einen geschichtlichen Hintergrund.
Sie hatte ihre Vorstufen in der Antike. Es existierte eine Heroisierung bekannter
Künstler neben einer Geringschätzung als Handwerker. Mit der Entwicklung
des Kunsthandels im 15. Jhd. wurden Kriterien für eine Urteilsfindung unter
folgenden Gesichtspunkten geschaffen: die ästhetische Bewertung eines Kunstwerkes
ging über seinen materiellen und Gebrauchswert hinaus. Im Zuge öffentlicher
Wettbewerbe, hauptsächlich in Italien, entstand und entwickelte sich die
Kunstkritik. Der Akademismus in der italienischen Renaissance entwickelte eine
Kunsttheorie als Grundlage für die Fachkritiker im 16. -18. Jhd..
Am Anfang des 18. Jhd. war der Beginn der Akademieausstellungen in Paris. Erst
fand eine Etablierung einer öffentlichen Kunstkritik statt, dann wurde
die Kunstkritik eine eigene literarische Gattung.
Im 19. Jhd. war die Entwicklung der geschichtlich ausgerichteten Kunstwissenschaft.
Die subjektive literarische Kritik wurde bis zur Gegenwart durch die Schriftsteller
beeinflusst. Sie machten immer wieder neue Strömungen bis hin zur Pop Art
aus. Erste Versuche der Künstler zur Emanzipation gab es im Mittelalter:
Durch einen Zusammenschluß in z.B. Bauhütten und Zünften waren
die ersten Schritte geschaffen, ohne jedoch als ein Individuum hervorzutreten.
Im 11. Jhd. wurden Werke erstmalig mit Signaturen versehen. In der Renaissance
wurden erste Akademien gegründet, und Künstlerbiographien tauchten
auf.
Wenige Auserwählte errangen den Titel „göttliche Künstler“.
Sie wurden mit dem Diplomatenstatus aufgewertet und beschäftigten sich
mit Kunsttheorien, fertigten Selbstpotraits an. Im 17.Jhd. arbeiteten Künstler
auch als Unternehmer (z.B. Rembrandt), sie fanden auch Berufung als Hofmaler.
Ein Geniekult tat sich auf im späten 18. Jhd.. Es war die Lösung des
Künstlers aus den bisherigen sozialen Ordnungen. Eine Aufwertung des Künstlers
war auch durch die Beachtung des Bildungsbürgertums im 19. Jhd. geschaffen,
führte aber auch zur gesellschaftlichen Absonderung. Ende des 19. Jhd.
führte die Auflehnung gegen die dominierende herkömmliche Rolle der
Akademien zu Zusammenschlüssen in Sezessionen. Im Einzelnen bedeutete das
eine kritische Abspaltung von Künstlergruppen von den öffentlichen
Künstlervereinigungen mit Findung von neuen Zielen: z.B. Sezession der
Unabhängigen in Paris (1884), Berliner Sezession (1898, Gründer M.
Liebermann), Abspaltung zur „neuen Sezession“ (1910), „Freie
Sezession“ (1914) und Wiener Sezession (1897) mit der Hauptrichtung der
österreichischen Version des Jugendstils, der Sezessionsstil. Weitere Gründungen
sind die Dresdner Sezession 1919-1023, Darmstätter Sezession (Neugründung
1945) wie auch die Gründung der Neue Rhein Sezession.
Seit dem 1. Weltkrieg gab es ein soziales Engagement in allen Kunstbereichen
der zeitgenössischen Kunst. In der Folge fand eine umfassende Auseinandersetzung
mit der gesellschaftlichen Umwelt statt.
Dieser Entwicklung folgend wurde das Museum als gewachsener Faktor mit seinen
Bedeutungs- und Machtstrukturen am Beginn der Moderne am Anfang des 20. Jhd.
Gegenstand der Kritik:
Hierfür steht der Dadaismus. Der Dadaismus war eine künstlerische,
revolutionäre und provozierende Protestbewegung. Er hatte als Feind die
moderne Zivilisation, die bürgerliche Kultur und den 1. Weltkrieg. Als
Ziel hatte er sich einen Neuaufbau von Grund auf gesetzt. Eine zynische Lächerlichmachung
und aufgebauschte Worte und Werte gingen einher. Er hatte seine Anfänge
in der Schweiz.
Der Futurismus. Der Futurismus hatte sich als Ziel gesetzt die Etablierung der
Moderne. Er hat seinen Ursprung im Italien des 20. Jhd.. Er bezog die neue Welt
in diese Kunst mit ein. Er war gegen das Museum als Friedhof, gegen das statische
Bild. Er was für eine Ästhetik der Geschwindigkeit und Dynamik. Er
stellte die Forderung nach Simultanität verschiedener Erlebnisphasen in
jedem einzelnen Werk. Dies ging hin bis zu einer Art Dimensionismus, d.h. Pointilismus;
punktartig nebeneinander gesetzte reine Farben mit optimaler Leuchtkraft bewirkt
eine Vermischung auf der Netzhaut des Betrachters. Er wurde durch kubistische
Zerlegung der Formen durch Einfügen von Bewegungsimpulsen belebt und angeregt.
Der Futurismus diskreditierte sich in Italien durch seine Hinwendung zum Faschismus.
Der russische Kubo-Futurismus hatte eine eigenständige Ausprägung
und eine oft konträre Entwicklung zu Italien. Teilweise wendete er sich
zum Maschinenkult und zum Konstruktivismus hin. Er war beschränkt auf einfache
geometrische Formen und Idealisierung der medizinischen Technik. Antibürgerliche
Kulturkritik, Polemik und revolutionäre Programmatik waren bestimmend.
Diese Wurzeln der künstlerischen Institutionskritik erfuhren ihre geschichtlichen
Weiterentwicklungen hin zu gegenwärtigen Prozessen, die begannen in den
60er Jahren. Diese dann gestellte Forderung nach Abschaffung der Museen ist
heute schon wieder überwunden. Wirtschaft, Unterhaltungsindustrie und Kunstproduktion
haben sich in erheblichem Maße angenähert. Das revolutionäre
Image der Kunst ist der Hinwendung zu konkreter und präziser kritischer
Haltung gewichen. Die Hinwendung zu zeitgemäßen Marketingbegriffen,
Standortwettbewerbe und Sponsoring stellen heute das Bild der Kunstinstitutionen
dar. Die Institution des Museums als „Musentempel“ ist überwunden
und hat als ein umfassender Ort für die Austragung verschiedenster Prozesse
seinen Platz gefunden.
Es
folgt ein Beispiel für die Institutionskritik in den 60er Jahren des 20.
Jh.: Allen Kaprow (1967) will eine akademische Handhabung im Umgang mit den
Museen. Er fordert eine Beschränkung auf Funktion und gutes Aussehen der
Museen, in Verbindung mit der Frage nach der Relevanz für die Gegenwartskunst
im Kontext mit dem Museum. Obwohl sich das Museum mit seiner durchdachten Organisation
so geöffnet hat, als sei es eine Art Hochschule, vermittelt es immer noch
eine Atmosphäre des „Religiösen“ und Anspruchsvollen.
Die Bestände werden wie in einem Schrein bewahrt. Sie sind abgesetzt von
der Natur. Künstler, Werke und das Museum förderten die Idee der Trennung
von Hochkultur und normalen Leben. Das Museum sei als Tempel als ein Ort einer
abgehobenen Elite. Danach folgt eine Veränderung: Die Hinwendung der Künstler
zu dem Wunsch nach einer Integration in die Gesellschaft. Das Mäzenatentum
verliert an Einfluß. Es wurde ersetzt durch ein „Sponsoring“
mit steuerfreien Geldern und übt Einfluß auf die Bildungsindustrie
aus. Die Beziehung von Auftraggeber und Künstler hebt sich auf. So wurde
Kunst ein gesellschaftlicher Prozess, sich niederschlagend in den Bereichen
des alltäglichen Lebens. Er fordert eine Entfernung von Kunsttempeln mit
deren heiliger Atmosphäre. Kaprow schließt daraus, dass das Museum
ein antiquierter Rest einer anderen Epoche sei. Er unterstellt, dass es immer
noch ein „Ort der Musen“ bleiben will. Seine Schlussfolgerung ist,
dass er meint das Museum mit seinem Inhalt, für den es bestimmt ist, sei
unnütz. Er will die Kunst auf Fernsehschirmen wiederfinden. Er fordert,
die Museen in Schwimmbäder und Nachtclubs umzuwandeln. Oder aber diese
zu entleeren und als eigenständige Raumskulptur zu präsentieren.
Die Frage was ein Museum ist, wird in einem Gespräch zwischen Kaprow und
Smithson (Kravagne S. 12) aufgeworfen (1967). Kaprow hat in diesem Gespräch
das Museum als Mausoleum bezeichnet, das Respekt für die Kunst der Vergangenheit
verbreitete. Dies war ähnlich einem Totenkult. Bezogen auf die derzeitige
Kunst sei es eine irrelevante Institution. Er wirft die Frage auf wo diese Kunst
außerhalb von Museen und Galerien ausgestellt werden kann. Smithson: Er
meint das Museum sei eine nichtige Struktur. Er fordert einen Neuanfang für
die Idee des Museums als Ort spezieller Unterhaltung. Kaprow: Die Idee der Museen,
Kunst und Leben zusammenzuführen, sei falsch. Dieses Leben sei wie in einer
Kaserne, wie auf einem Friedhof. Seine Forderung war die Entleerung der Museen
und diese als skulpturales Kunstwerk bestehen zu lassen. Er wollte Leben und
Kunst zusammenbringen, dort in den Randzonen der Städte, wo die Shopping-Center
sind. Smithson: Er hielt davon nichts. Er wollte die Kunst nicht in die Vorstädte
bringen. Aber er hatte die Idee z. B. ältere Gebäude zu entkernen
und als leere Ruine darzustellen. Kaprow setzt dagegen: Er hatte kaum Bereitschaft
Geld für einen Museumsbau auszugeben, wenn dieses leersteht wie ein Mausoleum.
Smithson: Seiner Meinung nach sei die Kategoriesierung in Malerei, Skulptur
u.a. ein unglücklicher Vorgang. Er vergleicht dies mit der Ansammlung von
Grabkunst in älteren Museen. Kaprow: Kaprow schließt daraus eine
Fortentwicklung der Museen. Er meint der Versuch alle „guten“ Objekte
zu präsentieren sei eine Karikatur von „Fülle“. Dies sei
eine aristokratische Gefühlswelt ohne jeglichen Belang. Smithson: meint
dazu die Kunst versuche nach dem Wert zu fragen, setzt aber dagegen, die Frage
nach guter und schlechter Kunst gehöre zu dem Wertesystem im Hinblick auf
die Gebrauchsgegenstände.
Konkrete Forderungen an die Museen stellt die Art Workers Coalition aus dem Jahr 1969 (Kravagna S.27): Sie fordert eine paritätische Besetzung der Museumsleitung durch Angestellte, Geldgeber und Künstler. Als Ziel setzte sich diese Coalisation: Kulturelles Erbe sind die dem Volk gehörenden Kunstwerke. Keine Minderheit, auch keine Gremien, die nach rein finanziellen Gesichtspunkten auswählen, haben das Recht allein darüber zu bestimmen. Sie forderte zu jeder Zeit freien Zugang zu den Museen; keine Eintrittsgelder und eine Öffnung zu jeder Tageszeit. Eine weitere Idee der Coalisation war eine Dezentralisierung der Museumsstandorte mit Filialen in der ganzen Stadt bzw. Region, dadurch für alle Bevölkerungsgruppen erreichbar. Weiterhin stellte sie eine Forderung nach dazu passenden Veranstaltungen. Eine Überwindung der traditionellen Beeinträchtigung von Frauen als Künstlerinnen war ein weiteres Ziel. Die Coalisation wollte ein Führen von Künstlerkarteien in den Museen. Auch ein engagiertes Auftreten der Museumsgremien zum Wohle der Künstler wurde gefordert (auch materieller Art). Eine weitere Forderung war die Schaffung von Foren zur Tätigkeit und Ausstellungsmöglichkeiten von nicht in Museen bzw. Galerien u.ä. vorgestellten Künstlern sowie eine Sicherung von Urheberrechten der Künstler. Eine Schaffung der Sicherung der materiellen Existenz der Künstler, eine Honorarbeteiligung bei Ausstellungen und eine Sicherung von Sozialleistungen wie Krankenkassenbeiträge u.a. auch für Angehörige waren weitere Ziele der Art Workers Coalisation.
Im Katalog zur Dokumenta Kassel 1972 äußerst sich Smithson zu einem Thema, das er „Kulturbeschränkung“ nennt. Er vergleicht das Museum mit einem Gefängnis, einem Kulturgefängnis. Der Kurator ist der „Wörter-Kurator“. Die Thematisierung einer Ausstellung ist eine Kulturbeschränkung. Leere weiße Räume der Museen unterwerfen die ausgestellten Kunstwerke unter das „Neutrale“. Die Kunstwerke verlieren Brisanz und isolieren sich durch den Kurator. Nach der Neutralisation der Kunstwerke wird dieses dem Konsum durch die Gesellschaft freigegeben. Von unnötigen Formen der Repräsentation bestimmte Ausstellungen bedeuten Einschränkung. Die Kunstentwicklung soll dialektisch sein und nicht metaphysisch (d.h. außerhalb menschlicher Erfahrungen). Er lehnt Prozesse ab, die in beschränkten Grenzen von Neutralität in Museumsräumen stattfinden, sie sind keine echten Prozesse. Die Existenz von Kunst soll abseits der Repräsentation stattfinden. Parks und Gärten u.ä. sind Nachschöpfungen und keine echte Natur, wie auch Müllhalden, verschmutzte Flüsse u.a. (hier würde sich niemand gerne aufhalten und auch keine Kunst zeigen wollen). Smithson stellt sich die Frage, ob Ausstellungen metaphysische Schrottplätze sind. Er bezeichnet Museen und Parkanlagen als „ebenerdige Grabkammern“, sozusagen gewonnene Erinnerungen, die Realität vortäuschen.
Als
Protest gegen die Einflussnahme von einflussreichen, finanziell sehr starken
Menschen und Gruppen auf die Kunstszene ruft 1969 die Guerilla Art Action Group
in einem Manifest auf, dass alle Rockefellers aus dem Vorstand des Museum of
Modern Art den sofortigen Rücktritt erklären (Kravagne S.31). Als
Vorwurf enthält dieses Manifest, dass Kunstförderung zur Sicherung
der gesellschaftlichen Akzeptanz und Selbstglorifizierung betrieben wird. Es
werde die Kunst missbraucht um die Involvierung in allen Bereichen der Kriegsmaschinerie
zu tarnen. Es gebe Schenkungen von Kunstwerken an das Museum zur Beruhigung
ihres Gewissens. Durch die Annahme von solch schmutzigen Geschenken wird die
Integrität der
Kunst durch das Museum unterminiert. Es herrsche eine politische Kontrolle des
Museums durch diese Leute von Anfang an. Durch erhebliche Einflussnahme werden
gesellschaftliche Proteste unterbunden und die Kunst degradiert im Hinblick
auf die jeweilige aktuelle Situation der Gesellschaft zu einer völligen
Belanglosigkeit. Vier Mitglieder der Guerilla Art Action Group betraten am 18.11.1969
das Museum und werfen Kopien des Manifests auf den Boden, rissen sich die Kleidung
herunter und gaben unverständliche Laute von sich. Gleichzeitig platzten
Säckchen mit Rinderblut unter der Kleidung auf und besudelten die Körper
und den Boden. Eine Menschenmenge verfolgte diese Aktion aufmerksam, schweigend.
Die Künstler stöhnten weiter und atmeten heftig. Danach gab es ein
Schweigen, und das Publikum applaudierte spontan wie nach einer Theatervorstellung,
die Künstler warfen ihre Mäntel über und verschwanden durch die
Empfangstür.
Daniel Buren äußerte sich 1970 über die generelle Funktion des Museums (Kravagna S. 43). Das Museum sei ein privilegierter Ort mit dreifacher Rolle. Als Träger und Rahmen für das Werk sei es das Zentrum des Geschehens als einzige kulturelle Örtlichkeit. Die Selektion privilegiere das was ausgestellt wird. Eine Höherstufung in der Gesellschaft, aus dem Alltäglichen herausgehoben, sichere das Bekanntwerden und den Konsum und schaffe somit einen kommerziellen Wert. Weiterhin sichere die Ausstellung des Werkes den Status Kunst. Fragen der Grundlage der Kunst würden dort kaum gestellt. Das Museum sei „als mystischer Leib“ der Kunst.
Joseph Beuys Ausführungen zum Bereich Kunst-Künstler-Museum kommen in einem Interview vom Dezember 1975 umfassend zum Ausdruck (Kravagna S. 19). Zum Vergleich der Institution Museum-Universität sagt er: Die Universität hat aufgrund von interdisziplinären Zusammenhängen in allen Tätigkeitsfeldern die Fähigkeit einen neuen Kunstbegriff zu entwickeln. Man müsse eigennützige Interessen der Künstler verhindern. Eine neue Formulierung eines interdisziplinären Kunstbegriffes müsse geschaffen werden. Nahezu alle Künstler wollen festhalten an dem traditionellen Kunstbegriff. Die Totalisierung des Kunstbegriffes kann bedeuten, dass Museen zu einer Art Universität werden. Dies hätte zur Folge, dass die Kreativität als Möglichkeit hätte, die „Dinge der Welt“ umfassend zu gestalten. Die individuellen Fähigkeiten kreativ zu gestalten betreffe nicht nur den Künstler, sondern umfassende Tätigkeitsfelder wie u.a.: Wissenschaft, Handwerk, Wirtschaft, Landwirtschaft und Umwelt usw.. Beuys radikale Erweiterung des Gestaltungsbegriffes ist sein neues Verständnis von Kunst. Die Behauptung von Beuys, jeder Mensch sei ein Künstler, bezieht er auf diese Annahmen und meint damit die verschiedensten Felder des Lebens. Das Dilemma der traditionellen Kunst sei ihre Isolation in Museen und ähnlichen Einrichtungen. Die Einbeziehung der Kunst in umfassende Zusammenhänge der Gesellschaft schließt auch alle Medien ein. Daher stellt er die Forderung nach Universalität und Einbeziehung des universitären Bereichs. Museen können dabei einbezogen werden und hilfreich sein, wenn die Menschen, die dort arbeiten, diesen Wandlungsprozess wollen. Das Problem ist die Abhängigkeit von öffentlichen Autoritäten aus politischen Gründen, worunter auch andere Institutionen leiden. Die Quelle dieses Misstandes ist die Staatliche Bevormundung. Der Staat will und kann nicht seinen Einfluß aufgeben. Daher fordert Beuys die Wandlung des Staatsbegriffes im Sinne einer umfassenden und strikten Überwachung und Sicherung demokratischer Rechte und deren Vollzug durch kreative Gestaltungsprinzipien. Dazu gehöre auch das Geldwesen als unbedingbare Forderung mit dem Ziel der kulturellen Selbstverwaltung. Der Staat akzeptiert zwar freie Entfaltung von Kunst, duldet jedoch kaum die politische Dimension, d.h. Beteiligung der Künstler an deren Gestaltungsfragen der Gesellschaft. So bleiben den Künstlern z.Zt. nur die Möglichkeiten ihre Kreativität der Öffentlichkeit zugänglich zu machen da, wo kulturelle Vereinbarungen getroffen sind d.h. z.B. im Museum, Galerie und an anderen dafür ausgewählten Orten.
Cildo
Meireles (Kravagna S.43) aus Brasilien entwickelt 1970 drei Thesen über
das Thema Eingriffe in ideologische Kreisläufe:
1. In der Gesellschaft existieren bestimmte Mechanismen der Zirkulation (Kreisläufe);
2. Diese Kreisläufe spiegeln die Ideologie der Produzenten, reagieren aber
passiv auf Eingriffe;
3. Jeder neue Kreislauf bedient sich bestehender Kreisläufe.
Er meint die Werke hatten nur nachhaltige Wirkung, wenn sie auch in der Gesamtgesellschaft
Wirkungen hervorriefen. Unter Benutzung von Alltagsmaterialien und allseits
bekannten Praktiken wandten sich die Künstler an eine unbeschränkte
Anzahl von Betrachtern, also an die Öffentlichkeit. Nun sieht er die Gefahr,
dass Werke produziert werden, die sich gezielt an eine Gruppe wenden, d.h. an
die Konsumenten, die die entsprechende Kaufkraft einsetzen. Die großzügige
Konzeption von Öffentlichkeit wurde durch diese Eingriffe in ideologische
Kreisläufe entwertet; d.h. eine Schaffung eines Systems für Zirkulation
und Austausch von Informationen, unabhängig von zentraler Instanz –
nicht kontrolliert und reguliert von den öffentlichen Medien. Diese Eingriffe
wurden von einer Elite gemacht, die im Besitz der Technologie und Verbindungen
zu Geld und Macht war. Ein Beispiel für das zirkulierende Medium ist das
Papiergeld, es findet sich, auch im übertragenden Sinne, auch in der wiederverwendbaren
Pfandflasche wieder.
Eine Vorraussetzung für die Eingriffe ist die Ausarbeitung eines Kreislaufkonzeptes.
Der Gehalt des Werkes ist zweckgebunden, der Werdegang folgt festgelegten Regeln.
Das Werk ist Träger einer Ideologie. Die Eingriffe nutzen das Potential
für einen gerechten Zugang zur Massenkommunikation immer eine Art Gegeninformation
beinhaltend. Der ideologische Gehalt des Kreislaufes wird verändert, unabhängig
ob vom Staat oder der Industrie bestimmt. Die Wirkung des Eingriffes ist: Die
Gegenüberstellung von Bewusstsein und Betäubung (Eigenschaft des bestehenden
Kreislaufes). Das Bewusstsein ist die Funktion der Kunst. Die Betäubung
ist das Produkt der kapitalistischen Entfremdung. Die Kunst verfügt über
mehr Mittel als die Industrie im Hinblick darauf, das Bewusstsein für gesellschaftliche
Verhältnisse zu schärfen. Die Rolle der Industrie ist das Gegenteil,
deren Macht beruht auf größtmöglichen Entfremdungstendenzen.
Besitz und Tauschwert sollten nicht jeder für sich privilegiert sein, sonst
geschieht eine Trennung von Künstlern und den Anderen. Die Existenz eines
Werkes ist nur dann gesichert, wenn sich andere daran beteiligen. Besitz und
individuelle Kontrolle sind dann ausgeschlossen. Bloße Repräsentation
in Museen u.ä. neutralisieren die Ideen. Die Kunst versucht Beziehungen
zur Öffentlichkeit herzustellen, nicht zum Käufer, sondern zum Publikum.
Deshalb solle es keine Produktion von Werken für die „heilige“
Halle Museum geben. Dies ist vielleicht eine Möglichkeit Kontrolle und
Besitztum auszuschließen.
Kulturelle Macht
Hans Haake (Kravagna S. 82) beschäftigte sich 1974 mit kulturellen Machtverhältnissen. Zur Frage der Selektion: Die Machtverhältnisse zu einem bestimmten Zeitpunkt und die Zugehörigkeit zu der dann bestimmenden Schicht entscheiden darüber, was ein Kunstwerk ist. Die Objekte könne sich nicht aus eigener Kraft aus der Menge der produzierten Arbeiten herausstellen. Die Museen u.ä. fungieren als „Agenten“ einer Gesellschaft die einen erheblichen Teil der kulturellen Macht haben. Das gilt für alle vorhandenen Positionen wie z.B. konservativ oder avantgardistisch, rechts oder links. Weltweit macht die Existenzgrundlage das Museum u.ä. somit zu einer politischen Einrichtung. Übergeordnete Institutionen, Behörden, Geldgeber u.ä. bestimmen letztendlich das Programm, oft mit einem gewissen Maß an Toleranz. Die Grenzen finden sich ungeschrieben und können nicht in Satzungen o.ä. gefasst werden. Museumsfunktionäre versuchen immer „richtige“ Entscheidungen zu treffen, auch mit Blick auf die übergeordneten Institutionen. Die Frage der Benutzbarkeit neuer Kulturströmungen für die Betroffenen ist dabei nicht immer vorauszusehen. Die Sicht des Künstlers kann dabei zu Konflikten führen, zumal sich die sozio-politische Situation ändern kann. Um zu verstehen wie die Institution die an der Kontrolle kultureller Macht beteiligt sind Arbeiten in den Rang von Kunstwerken zu erheben ist die Kenntnis dieser Strukturen unabdingbar. Vielleicht können dann Methoden entwickelt werden wie man Produkte als „Kunstwerke“ ansehen kann. Es kommt vor, dass sich Museen nicht für soweit unabhängig halten, ihre Strukturen offenzulegen. Das kann zur Zensur führen. In demokratischen Gesellschaften bilden die Museen u.ä. jedoch keinen einheitlichen Block. Dadurch kann der Zugang des Publikums am Ende nicht verhindert, höchstens eingeschränkt werden. Die Künstler sind jedoch immer in dem zu der Zeit herrschenden Wertesystem eingebunden. Der zu der Zeit herrschende ideologische Rahmen bestimmt durch die Machtgruppen was ein „Kunstwerk“ ist. Auch die Avantgarde bewegt sich innerhalb dieses Spielraumes. Künstler, ihre Förderer, ihre Feinde und die Institution sind Partner im künstlerischen Bereich. Sie stehen in dialektischer Beziehung zueinander und bewegen sich in dem vorgeschriebenen Rahmen, erfinden neue Rahmen oder werden „gerahmt“.
Über den politischen Charakter der Situation
Eine
radikale Stellungnahme zum politischen Charakter der Situation nimmt Adrian
Piper 1980 ein (Kravagna S.80). Er vertritt die Idee Museen u.ä. sind als
öffentliche Räume Arenen im Prozess der Auseinandersetzung in denen
um Macht gerungen wird. Bei stabilen Machtverhältnissen, bei effektiver
ideologischer Programmierung und Zusammenarbeit der Beteiligten verringert sich
der Wille zur Interaktion. Galerien und Museen als „politische Arenen“
können diese Bedingungen nicht länger erfüllen. Piper entwickelt
folgende Thesen:
1. Bei Machtverhältnissen, die meistens instabil sind, sind Künstler
nicht mehr bereit, sich durch ausbeuterische Mainstream-Kunstverhältnisse,
auch hinsichtlich der Produktion und Vertrieb, hinzugeben. Sie lehnen das Gefasel,
die Posen und das modische Geschwätz ab. Immer mehr Kritiker lehnen ihre
Rolle als Verfechter dieser Kunst als albern und irreführend ab.
2. Das Prinzip „Kunst um der Kunst willen“ ist als ideologische
Programmierung durch Prinzip „Kunst um der Leute willen“ abgelöst.
3. Viele Beteiligte, insbesondere die Künstler, identifizieren sich mit
den sozialen Schichten, die sie vertreten. Soziales und politisches Engagement
wird zugunsten eigener Interessen eingegangen und lehnen politisch neutrale
Kunst als egoistisches Element ab.
Museen u.ä. sind die idealen Plätze als „Arenen“ in der
Auseinandersetzung im Dienst verschiedener und konkurrierender Interessen .
Das Publikum ist Teilnehmer und Mitspieler im diesem taktischen System. Piper
fordert eine totale Politisierung der „Kunstwelt“. „Kunstgenuß“
ist nicht sein Ziel, ebensowenig eine Kategorisierung. Sein Interesse ist nicht
Unterhaltung oder gar Nutzung von Investmentmöglichkeiten. Das Ziel ist
die Integration von „Kunst-Gewissen“ und sozialem Gewissen.
Über die Koexistenz mit den Kunstmuseen
Stephen Willats (Kravagna S.66) aus London sucht 1986 Wege zur Koexistenz mit den Kunstmuseen. Er akzeptiert die kulturelle Macht solcher Institutionen. Auch Künstler sollen diese anerkennen als dominierende Institution und als Orte der Intervention; die Künstler sollen Zusammenarbeit suchen. Ansonsten droht eine einseitige und autoritär objektorientierte Kunst. Dann gebe es keine Möglichkeit vielfältige ideologische Standpunkte vorzustellen. Künstler und Publikum sollen zusammen die Institutionen als Forum nutzen. Dabei ist das Interesse des Publikums wichtig, wie auch dass es keine „Schwellenangst“ vor den Museen u.a. Institutionen gibt. Im Kontext mit herangebildeten Erwartungshaltungen was z.B. in einem Museum vorzufinden ist, kann eine radikale und erklärungslose Abweichung zu einer Abwendung führen, wenn nicht ein Zugang zu dem Unvertrauten durch die Mitwirkung der Künstler geschieht. Eine Vorraussetzung für die Erkenntnis ist das Aufzeigen von allseits erkennbaren Symbolen der verschiedenen sozialen und physischen Bedingungen. Zusammen mit anderen damit zusammenhängenden Bezügen kann das Anhaltspunkte für das Erkennen schaffen. Entscheidend ist jedoch, dass am Ende das Spektrum eines zufällig zusammengewürfelten Publikums darauf reagiert.
Die öffentliche Wirkung der Museen
Andrea Fraser aus New York beschäftigt sich 1990 mit der öffentlichen Wirkung der Museen (Kravagna S. 149). Die Institution Museum verfügt über Räumlichkeiten die öffentlich zugänglich sind. Sie ist eine „steuerbefreite Non-Profit Organisation“. Das gilt auch für in diesen Kontext erzielte Einnahmen aus Verkauf, Eintrittsgeldern u.ä.. Das öffentliche Angebot erzieherischer Erfahrungen dient dem Wohlfahrtsgedanken. Bewirkt wird dies durch Ausstellungen von Kunst und nicht durch eigene Programme für erzieherische Zwecke. Wohltätige steuerbefreite Zuwendungen ermöglichen den künstlerischen Objekten den Zugang in den Non-Profit Bereich, in das Museum. Die staatlichen Zuwendungen sind nicht sehr „öffentlichkeitswirksam“, da diese hauptsächlich dem Gebäudeunterhalt dienen. Erst die erheblichen außerstaatlichen und werbewirksamen Unterstützungen ermöglichen kostenträchtige Ausstellungen und deren erzieherische Funktion im Museum. Wirtschaftliche Schwankungen hatten zur Folge, dass infolge staatlicher Leistungseinschränkung private Museen u.ä. eingerichtet wurden unter dem erzieherischen Gesichtspunkt. Ziel war eine Identifikation im gegebenen politischen Rahmen (z.B: Einflußnahme als Vorbild auf Untergebene). Die staatliche Unterstützung der Museen ist jedoch in Wirklichkeit eine Subvention der Bevölkerung durch ihre Steuerzahlungen u.a. Abgaben. Die daraus entstehende Verpflichtung der Museen gegenüber der Öffentlichkeit wird jedoch von einer Art „Kulturabkommen“ mit dieser überlagert. Man erwartet, dass sich die Bevölkerung als „würdig“ erweist die privaten Zuwendung zu nutzen. Die Erwartung, das Museum zu betreten, soll durch eine eher abstrakte Identifikation mit diesen als „Eigentum“ der Bevölkerung erfüllt werden. Die Künstler und ihre Mäzene haben beide ihren Anteil bei der Präsentation im Museum. Das Museum privilegiert das als „Hochkultur“ als üblich, öffentlich und universell. Sie privilegiert diese Kultur als die einzig gültige Kultur und das Bürgertum, als im Besitz der Zivilisiertheit, den Zugang zu finden. Außerhalb der Museen u.ä. existierenden Kunst und Kultur laufen Gefahr schnell vergessen oder nicht wahrgenommen zu werden, da sie nicht das Privileg der „Öffentlichmachung“ erfahren haben.
Benutzte Literatur:
Der
Kunst-Brockhaus, Taschenbuchausgabe in 10 Bänden,
Bi-Taschenbuchverlag, Mannheim, Wien, Zürich, 1987
„Das
Museum als Arena“, Herausgeber Christian Kravagna und Edelbert Köb,Kunsthaus
Bregenz, Autoren und Verlag der Buchhandlung Walter König, Köln, 2001